Tiktok-Marketing

By 11. November 2020November 23rd, 2020Blog, News, Presse

Die Arbeit in und mit den sozialen Medien ist aus keiner Marketingstrategie mehr wegzudenken, so viel ist sicher. Aber – muss es jetzt wirklich auch noch Tiktok sein? Wir empfehlen ganz klar: jein. 

Wir erinnern uns noch gut an den Tag, an dem wir Tiktok entdeckten. Ein Kunde hatte uns um eine Sondierung bezüglich dieses ominösen neuen Netzwerks gebeten. Eine Kollegin ließ sich daraufhin das Phänomen erst mal von ihrer Teenager-Tochter erklären. „Und schwupps, schon waren vier Stunden rum!“, so lautete ihr Fazit. Ich, die ich leider noch keinen Sprössling im passenden Alter habe, musste mich selbst einarbeiten. Und schon beim ersten Blick in die App war mir klar: Der Addiction-Faktor ist bei Tiktok noch höher als bei Instagram – und ja, ich war ab dem ersten Swipe nach oben absolut hooked.  

Tiktok-Marketing – Ist das überhaupt was für Unternehmen? 

In den klassischen Medien hat Tiktok in den letzten Monaten von sich reden gemacht, weil ein bestimmter (abgewählter) US-Präsident das beliebte und schnell wachsende Netzwerk aus China am liebsten sofort verboten hätte. Aber auch in der Marketing-Branche wird über Tiktok letztens viel geschrieben. Lässt sich Tiktok für Unternehmen verwenden? Oder handelt es sich um ein reines „Spaß-Netzwerk“? Die Antwort ist genauso, wie sie vor vielen Jahren beim aufkommenden Thema Facebook-Werbung war: Ja, Tiktok lässt sich natürlich für Unternehmen verwenden. Tiktok-Marketing ist längst in den Kommunikationsabteilungen angekommen. Aus gutem Grund: 

Das Lipsync-Portal bietet Unternehmen die Chance, besonders direkt mit den Usern zu interagieren und sich als lockeres, humorvolles Unternehmen zu präsentieren. Es gibt derzeit zwar noch keine ausgereifte Link-Funktion bei Tiktok, um potenzielle KundInnen direkt auf den Webshop zu locken, aber das Image einer Marke lässt ebenso gut über Tiktok wie über Instagram oder Facebook kommunizieren. Branding und so. Tiktok hat seine Werbefunktionen in der Corona-Pandemie bereits gezielt beworben; wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. 

Tiktok bietet tausende Möglichkeiten für originellen Content. Man muss sie nur erkennen und dem Social Media-Team genug Zeit und Freiraum lassen, sie umzusetzen – mit dem Tiktok-Strom mitschwimmen und Trends für sich richtig nutzen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. 

„Aber“: Was gegen Tiktok Marketing spricht 

Tiktok ist aufwendig – wenn man es richtig machen will. Es reicht nicht, den Content von Instagram oder Facebook „einfach auch noch auf Tiktok zu posten“. So funktioniert die Plattform nicht, die mit Interaktion, Originalität, Witz und Selbstironie punktet. Und einer sehr, sehr jungen Zielgruppe. Zentral ist die Frage: Was bringt Tiktok-Marketing mir und meinem Unternehmen? Brauche ich diese Zielgruppe, die ich auf Tiktok erreichen kann? Und habe ich überhaupt den richtigen Content dafür? 

Denn wer nur sein Produkt in die Kamera hält, hat auf Tiktok verloren: sich auf Challenges einlassen, Duette und Lip-Sync-Videos richtig einsetzen, MitarbeiterInnen dazu überreden, sich vor der Firmenhandykamera zum Affen zu machen, das alles gehört zu der verrückten Tiktok-Welt. Ein gewisses Maß an Kreativität und der Vorstellungskraft, wie sich diese Trends auf das eigene Unternehmen übertragen lassen, sind unverzichtbar. 

Wer diese Kreativität jedoch nicht mitbringt oder wer keine ausreichenden zeitlichen und personellen Ressourcen hat, dem können wir nicht guten Gewissens zu Tiktok raten. Wir verstehen uns als strategische KommunikationsberaterInnen. In dieser Funktion müssen wir manchmal auch entschieden „nein“ sagen. Selbst wenn sich die Kollegin am Schreibtisch nebenan total darüber ärgert, weil sie nun doch keinen Teil ihrer Arbeitszeit begründet mit Tiktok verbringen darf. 

Pros und Cons von Tiktok-Marketing: ein Überblick

Pro Tiktok: 

  • Trendiges, junges Medium mit sehr hohen Wachstumsraten 
  • Sehr junge Zielgruppe einfach und direkt erreichbar 
  • Vielfältige Möglichkeiten zur Interaktion mit den UserInnen 
  • Raum für Kreativität und humorvolle Selbstinszenierung  
  • Ständiger Ausbau der Möglichkeiten für Werbekunden 

Contra Tiktok: 

  • Sehr junge Zielgruppe – meist nicht die idealen (kaufkräftigen) KundInnen, je nach Unternehmen 
  • Großer Zeitaufwand für relevanten und qualitativ hochwertigen Content – ein Budget für steigende Personalkosten muss eingeplant werden 
  • Schwierige Contentplanung durch teils sehr schnelllebige Trends  
  • Humor und Selbstironie – müssen zur Marke und zum Unternehmen passen! 

Ersatz-Tiktok mit Instagram Reels? 

Praktischerweise hat sich Instagram mittlerweile viele der klassischen Tiktok-Formate, nun ja, sagen wir mal als Inspiration genommen und mit den Instagram Reels in die eigene Plattform integriert. Dieser Trick hat schon bei Snapchat funktioniert: Der Konkurrenz die beliebten neuen Features abschauen und in das eigene, bereits etablierte Netzwerk integrieren. Ein Update hat die Reels kürzlich noch prominenter in der App platziert. 

Ob Instagram so die ungeliebte Tiktok-Konkurrenz loswird, bleibt abzuwarten. Für Unternehmen bietet sich hier vor allem die Möglichkeit, auf den Tiktok-Trend aufzuspringen ohne auf einer neuen Plattform wieder ganz von vorne zu beginnen. Hier gilt aber: Wer bereits einen qualitativ hochwertigen Instagram-Account betreibt, sollte auch an Instagram Reels mit Strategie, Know-how und ausgereiftem Videocontent herantreten. Dies gilt zwar auch auf Tiktok – wenn die Followerschaft jedoch noch klein ist, tun missglückte Experimente im Nachhinein weniger weh. 

Und die Moral von der Geschicht‘ übers Tiktok-Marketing?

Ist dieselbe wie immer. Überlegen, abwägen, die übergreifende Strategie im Auge behalten. Und dann eine fundierte Entscheidung treffen. Man muss nicht immer jedem Trend hinterherlaufen – man darf aber auch den Moment nicht verpassen, in dem ein schneller Trend zum absoluten Muss konvertiert. Und natürlich total wichtig: selbst mal auf Tiktok herumstöbern. Da kann man dabei zusehen, wie einem der Sonntagnachmittag von Tiktok-Duett zu -Duett weiter zwischen den Fingern zerrinnt. Schließlich muss man ja wissen, wovon man spricht. 

Author Fenya Kirst

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