Corona und die (langfristigen) Auswirkungen auf PR

By 22. September 2020September 28th, 2020Blog, News, PR, Service
Arbeitskollegin grüßt Arbeitskollege mit Ellbogen-Gruß. Beide tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung.

Die Corona-Pandemie hat in den letzten Monaten vieles über den Haufen geworfen – auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Klar ist: Nach Ende der Pandemie wird die Welt nicht mehr dieselbe sein. Aber welche Veränderungen werden die PR-Landschaft langfristig prägen? Wie können Unternehmen diese Veränderungen in ihrer Kommunikation nutzen? Unsere Einschätzung zeigen wir in diesem Blogartikel.

Wie hat Corona die PR verändert?

Corona bedeutet für die PR vor allem eines: noch mehr Fokus aufs Digitale. Prompt stöhnt der Arbeitskollege am Schreibtisch gegenüber auf: „Das haben wir alle schon hundertmal gehört – wissen wir schon!“ Er hat natürlich recht. Ich weiß aber auch genau, dass Schokolade kein gesunder Snack ist – und trotzdem liegen keine Gemüsesticks neben mir, während ich diesen Artikel schreibe. Und eins haben Gemüsesticks und Digitalisierung gemeinsam: Alle kennen ihre Vorteile, aber noch längst nicht alle haben sie umgesetzt.

Unserer Einschätzung zufolge hat Corona endgültig dazu geführt, dass zumindest um die Digitalisierung niemand mehr herumkommt. Das zeigen auch die Unternehmen, die mit Gewinn aus der Krise herausgehen werden: Die Aktie des Videocall-Anbieters Zoom ist von Januar bis Juni 2020 um über 200 % gestiegen. Und die PR-Branche hat bisher eher stiefmütterlich behandelte Formate wie digitale Pressekonferenzen auf die Agenda gesetzt – und Budgets von Presseevents auf Social Media verschoben.

Der PR Ego-Trip ist out

Auch inhaltlich gab es spannende Veränderungen. Der Ego-Trip ist out: Wer während Corona punkten will, muss seine menschliche Seite zeigen. Besonders in den ersten Corona-Wochen der Viruspandemie wandelte sich die Selbstdarstellung vieler Unternehmen. Sie legten weniger Fokus auf Werbung für ihre Produkte – wer kauft auch in harten Zeiten einen neuen Fernseher? Stattdessen präsentierten sie sich als empathische, nahbare und verantwortungsvolle Unternehmen. Also als Unternehmen, bei dem man nach der Krise einen neuen Fernseher kaufen will.

Ein spannendes Beispiel dafür ist Tiktok. Die chinesische Videoplattform hat ein 100 Millionen US-Doller schweres „Back to business“-Programm auf die Beine gestellt. Tiktok stellt dabei kleinen Unternehmen, besonders schwer von der Krise getroffen, ein kostenfreies Guthaben für Werbeanzeigen zur Verfügung. Die Marketing-Aktion tarnt sich als sympathischer Community Support in harten Zeiten – und ist damit gleichzeitig eine hervorragende PR-Maßnahme.

Langfristige Chancen für die PR-Branche

Die Themenauswahl der Medien hat sich jetzt, mehrere Monate nach Beginn der ersten Lockdown-Maßnahmen, längst wieder verschoben. Aber von den Aspekten, die weniger tagesaktuellen Schwankungen unterliegen, werden uns einige erhalten bleiben. MitarbeiterInnen, KundInnen und Medienpartner hatten nun Zeit und Anlass, sich an die Umstellung ins Digitale zu gewöhnen. Viele haben extra dafür Technik eingekauft, die sich jetzt auch lohnen soll. Die Berührungsängste mit digitalen Formaten wie Webinaren oder Konferenzen sind gesunken. Das Know-how ist dafür gewachsen: Nur wenige werden aus der Krise hinausgehen, ohne zu wissen, dass man bei Videokonferenzen sein Mikrofon stummschaltet, wenn der Hund im Hintergrund bellt.

Richtig eingesetzt kann besonders die PR daraus großen Gewinn ziehen. Es entstehen Chancen, die nur professionell erkannt und nutzbar gemacht werden müssen. Ein paar Tipps haben wir hier zusammengestellt.

Mehr lokal statt global

Globalisierung ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Unsicherheitsfaktor geworden –mindestens unbewusst. Geschickte PR-lerInnen können das nutzen, indem sie gezielt Menschen ansprechen, die dem eigenen Unternehmen geographisch und/oder kulturell nahestehen. Der Fokus auf Regionalität, Verständnis und Nahbarkeit mindert das Unsicherheitsgefühl, das Corona mit temporären oder zumindest gefürchteten Warenknappheiten bei KundInnen hinterlassen hat.

Mutig sein: Weg von „Business as usual“

Fakt ist: „Der Business as usual“-Modus wird nach Corona nicht mehr derselbe sein wie vorher. Die aktuelle Situation hat Veränderungen bewirkt, die bleiben werden: Wer jetzt die Zeichen der Zeit erkennt und angemessen reagiert, sichert sich einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern. Viele versuchen noch, sich irgendwie durch die Krise durchzuwurschteln und hoffen, danach zum „Business as usual“ zurückkehren zu können.

Es gilt also, Erneuerungsprozesse besser gleich jetzt anzustoßen, in dieser Zeit, in der ohnehin alles im Umbruch ist. Jetzt ist die richtige Zeit, in der Kommunikation nachzurüsten und sich auf den veränderten Alltag und die Bedürfnisse der Community einzustellen. Jetzt zu den Unternehmen gehören, die erkennen, dass Social Media Budgets hinauf- und nicht heruntergestuft werden müssen. Die sich an den sprunghaft weitergewachsenen digitalen Markt anpassen. Es braucht Mut, diese Schritte endlich zu gehen. Aber seien wir ehrlich: Gehen müssen wir sie ohnehin.

Die richtige Entscheidung treffen: Analog vs. digital

So ganz können Videocalls die zwischenmenschliche Kommunikation nicht ersetzen – auch das hat die Homeoffice-Zeit verdeutlicht. Manche klassischen Zusammenkünfte lassen jetzt erst ihren wahren Wert erkennen. Nach einer virtuellen Messe können ArbeitskollegInnen nicht gemeinsam essen gehen und mit den KundInnen beim abendlichen Wein locker socializen. Vor lauter Blick nach vorne darf die PR also den reflektierten Blick zurück nicht vergessen. Für manche Zwecke eignen sich digitale Formate besser, für andere eher die altbewährt-analogen Formate. Wir hatten nun Gelegenheit, beide Modi operandi auszutesten. Jetzt können PR-lerInnen eine fundierte Entscheidung treffen, auf welchem Weg sie was an welche Zielgruppe am besten kommunizieren.

Jede Branche und jedes Unternehmen muss selbst austesten, welche Formate langfristig digital ersetzbar sind und welche nicht. Dafür braucht es Know-how, Erfahrung und Geduld: Die PR muss Dinge ausprobieren und sich selbst dabei den nötigen Raum für Fehler zugestehen. Nur so können wir wachsen und aus der Corona-Krise lernen.

Author Fenya Kirst

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